Allgäuer Zeitung - Kultur am Ort vom 22. Juni 2005


Die Vögel jubilierten mit
Stimmungsvolle Serenade der Chöre im Residenzhof

von unserer Mitarbeiterin
Anna Köhl
Kempten

Amsel, Schwalbe und Dompfaff konnten es einfach nicht lassen: Zu einladend klangen die Gesänge der Chöre. Da mussten die Vögel unbedingt vom hohen Dach aus mit einstimmen. Dennoch störten sie weder den Ablauf im Programm noch die Gesamtkomposition der Residenzhof Serenade in Kempten.
       Eher verstärkten die gefiederten Freunde die besondere Stimmung im langsam verdämmernden Tageslicht. Denn als innig, freundlich und heiter kann das Auftreten aller Beteiligten bezeichnet werden. Eingeladen hatte der Männerchor Sängerbund Kempten im Rahmen der Festlichkeiten zum 160-jährigen Bestehen. Es reisten an der "Coro Laurino" aus Bozen, der Gesangverein Feldbach aus der Steiermark und die Alphorn- und Büchelbläser aus dem nahen Buchenberg. Das Blechbläserquintett hatte ein Heimspiel. Zusammen mit dem Sängerbund Kempten präsentierten die verschiedenen Chöre ein abwechslungsreiches Programm.
       Gleich zu Beginn kosteten die Alphornbläser den interessanten Klang im Innenhof der Residenz überzeugend aus. Ebenso arbeitete das Blechbläserquintett mit dem "Halleluja" aus Händels Messias konsequent mit dem Echo und

 

ließ den Wiederhall wundervoll wirkten. Mit kleinen Apercus zu jedem musikalischen Vortrag unterstrich der Coro Laurino seine Beiträge. "La Pastora" von Luigi Pigarelli erzählt zum Beispiel die Geschichte eines Hirtenmädchens, das seine Herde vor den Fängen des Wolfes schützen will. Der für Chöre bearbeitete Text gehört zu den Volks- und Bergsteigerliedern, die von den Männerstimmen beeindruckend sensibel vorgetragen wurde. Vom gemischten Gesangsverein Feldbach erklangen Weisen aus der Steiermark, aus dem Salzkammergut und aus Bayern.
       Für eine Überraschung sorgten die Büchelbläser aus Buchenberg. Mit ihren Holzinstrumenten, die wie gigantische Spielzeuge wirkten, trugen sie die "Eschacher Hörnerpolka" vor, die "Hüttengaudi" und einen bewegten Walzer. Die sehr unterschiedlichen Instrumente, die wie Alphörner nur mit den Naturtönen gespielt werden, also ganz ohne Ventile auskommen, werden vom Dirigenten und Leiter der Gruppe, Richard Brutscher, selbst gebaut.
       Für Stimmung, Schunkeln, Stampfen und Mitklatschen sorgten die Mitglieder der Büchelbläser, die im Gegensatz zu manchen Chören sichtlich nicht unter Nachwuchssorgen leiden. Als dann der Sängerbund mit der "Frohen Wanderschaft" von Richard Arnold und dem "Schwabentanz" von Bernhard Weber aufwartete, jubilierten noch einmal die vielen Vögel rundherum aus voller Kehle mit.



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